Uhren gibt es nicht mehr - André Heller

Uhren gibt es nicht mehr

Zsolnay 2017, 108 Seiten

Worauf kommt es an im Leben? 102 Jahre alt ist Elisabeth Heller - und langsam, so sagt sie in den Gesprächen, die sie mit ihrem Sohn André in den vergangenen Monaten geführt hat, geht es ans Verabschieden. „Innerlich sieht man sich noch jung und freut sich auf den nächsten Tag“, sagt die alte Dame, die geboren wurde, als der Erste Weltkrieg ausbrach, und die mit gerade 19 den Süßwarenfabrikanten Stephan Heller heiratete. Ein anderes Mal wünscht sie sich, „dass das Körperwerkl in Gottesnamen auslaufen soll“ und erzählt dann munter über einen Selbstmordversuch aus Liebe und über Lehár am Klavier in Bad Ischl.

Was soll man sagen über ein Buch, in dem Sätze stehen wie „Irgendetwas räumt mein Gedächtnis auf und das Überflüssige wird ausgeschieden. Seit dem habe ich kein Kopfweh mehr“. Man ist beim Lesen so erfüllt von all den weisen und poetischen Sätzen, dass man es eigentlich in homöopathischen Dosen genießen sollte. Die Elisabeth- Heller-Sätze wirken nach und lassen auf das eigene Leben blicken, in dem das Innehalten oftmals zu kurz kommt. Ein Buch über Alter und Weisheit, es gewährt uns Einblick in eine Welt, in der viele Dinge nicht mehr wichtig sind und wird dadurch zum weisen Lebensratgeber.

sk